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Thermodynamik

Längenausdehnung berechnen

ΔL = L₀ × α × ΔT

Berechnet die thermische Längenausdehnung eines Bauteils aus Ausgangslänge, Ausdehnungskoeffizient und Temperaturdifferenz.

Längenausdehnung (ΔL):
Werte eingeben und berechnen

Variablen-Erklärung

ΔL = Längenausdehnung in Meter (m)
L₀ = Ausgangslänge in Meter (m)
α = Ausdehnungskoeffizient in 1/K
ΔT = Temperaturdifferenz in Kelvin (K)

Thermische Längenausdehnung – Formel und Berechnung

Erwärmt man einen festen Körper, so schwingen seine Atome stärker und der mittlere Atomabstand steigt. Das führt zu einer messbaren Längenausdehnung, die mit der Formel ΔL = L₀ × α × ΔT berechnet werden kann.

GrößeSymbolEinheitBedeutung
LängenausdehnungΔLmÄnderung der Länge
AusgangslängeL₀mLänge bei Referenztemperatur
Ausdehnungskoeffizientα10⁻⁶ 1/KWerkstoffabhängige Kenngröße
TemperaturdifferenzΔTK oder °CT₂ − T₁

Werkstofftabelle: Ausdehnungskoeffizienten α (bei 20 °C)

Metalle

Werkstoffα (10⁻⁶ 1/K)Hinweis
Stahl (allgemein, S235/S355)12Konstruktionsstahl, Normbasis
Edelstahl (1.4301, V2A)16Austenitisch, deutlich höher als Baustahl
Edelstahl (1.4016, ferritisch)10,5Ähnlich Baustahl
Gusseisen (GJL)10,5Grauguss
Aluminium (rein)23,8Fast doppelt so viel wie Stahl
Aluminium-Legierungen (AlSi)20–22Typisch für Druckguss
Kupfer (rein)16,8Leitungen, Wärmetauscher
Messing (CuZn)18,5Armaturen, Beschläge
Bronze (CuSn)17–18Lager, Buchsen
Titan8,6Luft- und Raumfahrt
Nickel13Hochtemperaturanwendungen
Zink31Verzinkung, Druckguss
Blei29Dichtungen, Lote
Invar (Fe36Ni)1,2Präzisionsinstrumente, minimale Ausdehnung
Gold14,2Elektrotechnik, Schmuck
Silber19Kontakte, Lote

Baustoffe und Glas

Werkstoffα (10⁻⁶ 1/K)Hinweis
Beton10–12Ähnlich Stahl → Stahlbeton möglich
Mauerwerk (Ziegel)5–8Je nach Bindemittel
Granit / Naturstein7–9Fassaden, Bodenbeläge
Kalkglas (Fensterglas)8–9Standardglas
Borosilikatglas (Pyrex)3,3Laborglas, Kochgeschirr
Quarzglas0,5Optik, Hochtemperatur
Holz (längs zur Faser)3–5Anisotrop – quer viel stärker
Carbon (CFK, längs)0–2Kann auch negativ sein

Kunststoffe

Werkstoffα (10⁻⁶ 1/K)Hinweis
Polyethylen (PE)150–200Sehr hohe Ausdehnung!
Polypropylen (PP)100–150Rohre, Behälter
PVC (hart)70–80Fensterprofile, Rohre
PTFE (Teflon)120–150Dichtungen, Gleitlager
Polyamid / Nylon (PA)80–110Zahnräder, Lager
PMMA (Acrylglas)70–80Scheiben, Optik
Epoxidharz55–65Verguss, Kleber

Berechnungsbeispiele

Beispiel 1: Eisenbahnschiene

Eine Stahlschiene ist L₀ = 30 m lang. Die Temperatur schwankt zwischen −20 °C (Winter) und +60 °C (Sommer im Hochsommer auf der Schiene):

  • ΔT = 80 K, α = 12 × 10⁻⁶ 1/K
  • ΔL = 30 × 12 × 10⁻⁶ × 80 = 0,0288 m ≈ 29 mm

Deshalb werden zwischen Schienenstößen klassisch Dehnungsfugen (Schienenlücken) von ca. 5–30 mm gelassen. Moderne Langschienen werden vorgespannt verlegt.

Beispiel 2: Rohrleitung aus Edelstahl

Heizungsrohr aus Edelstahl (1.4301), L₀ = 20 m, ΔT = 70 K (kalt → heiß):

  • α = 16 × 10⁻⁶ 1/K
  • ΔL = 20 × 16 × 10⁻⁶ × 70 = 0,0224 m ≈ 22 mm

Ein Dehnungskompensator oder U-Bogen muss diese 22 mm aufnehmen können.

Beispiel 3: Aluminiumkolben im Stahlzylinder

Kolbendurchmesser bei 20 °C: 85,00 mm. Motor läuft bei 200 °C (ΔT = 180 K):

  • Kolben (Aluminium): ΔL = 0,085 × 23 × 10⁻⁶ × 180 = +0,352 mm
  • Zylinder (Stahl): ΔL = 0,085 × 12 × 10⁻⁶ × 180 = +0,184 mm
  • Das Kolbenspiel verringert sich um 0,352 − 0,184 = 0,168 mm

Deshalb müssen Aluminium-Kolben mit deutlich mehr Kaltspiel eingebaut werden als Stahlkolben.

Praxishinweise

  • Dehnungsfugen: Im Hochbau werden alle 15–25 m Dehnungsfugen eingeplant (Beton α ≈ 10–12 × 10⁻⁶ 1/K).
  • Bimetallstreifen: Zwei Metalle mit unterschiedlichem α werden verbunden und verbiegen sich bei Temperaturänderung – Grundprinzip von Thermostaten.
  • Passung und Wärmedehnung: Bei Press- und Schrumpfverbindungen wird die Temperaturdifferenz genutzt, um Bauteile zu fügen.
  • Kunststoffrohre: PVC-Rohre dehnen sich etwa 6-mal stärker als Stahlrohre – alle 1–2 m sind Gleitlager und alle 5–10 m Kompensatoren nötig.